Der Pet-Tech-Sektor – Technologien für Haustiere – boomt. Dieser Artikel gibt einen Überblick über den Markt, seine Trends und die neuesten Innovationen.
Haustiere sind zu echten Familienmitgliedern geworden (dieses Phänomen nennt man Anthropomorphisierung — siehe unsere Studie zum Petfood-Markt). Diese Entwicklung verändert einen ganzen Sektor grundlegend: den der Technologie für Haustiere („Pet Tech“). Es gibt für jeden Bedarf etwas: vernetzte Geräte, Gesundheits‑Tracking‑Apps, personalisierte digitale Dienste. Unser Institut führt das ganze Jahr über Studien zu diesen Märkten durch, und wir möchten Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Trends und Perspektiven der Pet Tech geben. Viel Spaß beim Lesen!
Pet Tech: die wichtigsten Zahlen
- 150 Milliarden US‑Dollar: Marktwert der globalen Pet‑Tech‑Branche im Jahr 2022
- 188 Milliarden US‑Dollar: erwarteter Marktwert bis 2027
- 1,6 Millionen zahlende Abonnenten: weltweite Kundenbasis von Tractive
- 150 Millionen Euro: jährliche wiederkehrende Einnahmen von Tractive
- 300.000 Nutzer: Anzahl der Tractive‑Kunden in Deutschland
- 35 Millionen US‑Dollar: von Tractive eingesammeltes Kapital
- 3 Minuten: Dauer eines Atemtests von SpotitEarly zur Früherkennung von Krebs
- 2020: Start des Unleashed‑Programms von Nestlé Purina
- 100 Bewerbungen: Anzahl der Bewerber in der ersten Ausgabe von Unleashed
- 3 Milliarden Schweizer Franken: Umsatz des Petcare‑Segments von Nestlé
- 7 Tierkliniken: Anzahl der bereits eröffneten Standorte von Rex
Ein Markt, der von der Liebe der Besitzer getragen wird
Die Zahlen des Haustiermarktes zeigen seine enorme Dynamik. Frankreich zählt fast 75 Millionen Haustiere, darunter 15 Millionen Katzen und 7,8 Millionen Hunde.
Dieser demografische Trend geht mit einem Mentalitätswandel einher. Haustiere gelten nicht mehr als einfache Begleiter, sondern als vollwertige Familienmitglieder. Dieses psychologische Phänomen — die Anthropomorphisierung — führt zu einer steigenden Bereitschaft, mehr Geld für ihr Wohlbefinden auszugeben.
In Frankreich belaufen sich die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten eines Hundes oder einer Katze auf rund 10.000 Euro, ohne Unfälle oder schwere Behandlungen. Bei anspruchsvolleren Tieren wie Pferden kann dieser Betrag bis zu 190.000 Euro erreichen. Diese Größenordnungen erklären, warum monatliche Abonnements von wenigen Euro oder technologische Geräte über 200 Euro keine psychologische Hürde mehr darstellen.
Frankreich zählt 15 Millionen Katzen und 7,8 Millionen Hunde.
Innovationen in der Pet Tech
Die Technologie für Haustiere geht längst über einfache Gadgets hinaus. Sie umfasst heute hochentwickelte Lösungen, die das Leben der Tiere und ihrer Besitzer spürbar verbessern.
Fernüberwachung
Im Bereich der Haustier‑Geolokalisierung ist Tractive der unangefochtene Marktführer. Das Unternehmen hat bereits 1,6 Millionen zahlende Abonnenten weltweit. Mit Abos ab 5 Euro pro Monat erzielt Tractive 150 Millionen Euro an wiederkehrenden Einnahmen. Die wichtigsten Anwendungsfälle:
- Echtzeit‑Geolokalisierung
- Aktivitäts‑Tracking
- Schlafanalyse
- Überwachung physiologischer Parameter
SpotitEarly geht noch einen Schritt weiter. Das 2020 gegründete Start‑up nutzt den außergewöhnlichen Geruchssinn von Hunden — bis zu 300 Millionen Rezeptoren — zur Erkennung flüchtiger organischer Verbindungen, die mit Krebs in Verbindung stehen. Die Tiere tragen während der Tests Sensoren, während KI ihre Bewegungen und Herzfrequenz analysiert. Dies zeigt die zunehmende Verschmelzung von Pet Tech, Health Tech und künstlicher Intelligenz.
Personalisierte Ernährung
Der Tiernahrungsmarkt ist ein besonders fruchtbarer Boden für technologische Innovationen. In Frankreich beträgt sein Wert 3,3 Milliarden Euro, davon 460 Millionen Euro im E‑Commerce (12 % der Verkäufe).
Start‑ups wie Japhy, Reglo oder Flouf bieten personalisierte Ernährungsformeln an, oft im Abonnementmodell. Flouf validierte sein Konzept durch eine erfolgreiche Crowdfunding‑Kampagne.
Auch große Konzerne mischen mit. Nestlé Purina startete 2020 das Innovationsprogramm Unleashed, das über 100 Bewerbungen erhielt. Sechs Start‑ups wurden ausgewählt und erhalten jeweils 50.000 CHF sowie Zugang zu einem 500‑köpfigen F&E‑Team.
Auf dem Websummit 2025 trafen wir das Schweizer Start‑up i-kitty, ebenfalls Teil von Unleashed, das einen innovativen Nassfutter‑Automaten für Katzen präsentierte. Alle bisherigen Automaten funktionieren mit Trockenfutter, doch Nassfutter ist gesünder. Die Herausforderung: Verderb verhindern. i‑kitty entwickelte einen patentierten hermetischen Behälter, dessen Versiegelung erst im letzten Moment geöffnet wird. Das Geschäftsmodell ähnelt Nespresso: Maschine + exklusive Kapseln.

i‑kitty ist ein automatischer Nassfutterspender für Katzen. Präsentiert auf dem Websummit 2025, Teil des Unleashed‑Programms von Nestlé Purina.
Tiergesundheit im digitalen Zeitalter
Die Digitalisierung der tierärztlichen Versorgung ist ein weiterer zentraler Bereich der Pet Tech. Da die Kosten steigen und die Zahl der Tierärzte nicht mit der Nachfrage Schritt hält, bietet Technologie neue Lösungen.
Rex, ein deutsches Unternehmen, gegründet 2022, hat bereits sieben Kliniken eröffnet und plant vier weitere in einem Jahr. Zielgruppe: junge urbane Tierhalter.
Makroökonomisch betrachtet übersteigt der Markt für Tiergesundheit in Deutschland 12 Milliarden Euro (Futter, Zubehör, tierärztliche Versorgung).
Frankreich: Europas Pet‑Tech‑Champion
Frankreich zählt 219 aktive Unternehmen im Bereich Pet Tech — 19,12 % aller europäischen Firmen. Gründe:
• starke Haustierkultur
• innovationsfreundliches Start‑up‑Ökosystem
• Nähe zu großen EU‑Märkten
Italien investierte 2024 rund 2,1 Millionen Euro — noch wenig, aber ein Zeichen für wachsende Diversifizierung.
Die Zukunft der Mensch‑Tier‑Beziehung
Pet Tech hat eine glänzende Zukunft. Alternde Bevölkerung, Anthropomorphisierung und integrierte Ökosysteme (Geräte + Services + Ernährung + Prävention) treiben das Wachstum. Was in der Human‑Health‑Tech geschah, wiederholt sich nun bei Tieren.
Daten spielen eine zentrale Rolle. Mit 1,6 Millionen Tractive‑Abonnenten und Millionen vernetzter Tiere in Europa entsteht ein riesiger Datenschatz — noch weitgehend ungenutzt.
In den USA (157 Milliarden USD Jahresumsatz) ist Pet Tech bereits ein struktureller Pfeiler der Tierwirtschaft.
Häufig gestellte Fragen zur Pet Tech
Was genau ist Pet Tech?
Pet Tech umfasst alle Technologien für Haustiere: GPS‑Halsbänder, automatische Futterspender, Gesundheits‑Apps, digitale Tierarztservices, personalisierte Ernährung.
Was kosten diese Technologien?
GPS‑Halsband: 50–200 € + 5–15 €/Monat
Automatische Futterspender: 100–300 €
Personalisierte Ernährung: 30–60 €/Monat
Sind diese Technologien wirklich nützlich?
Ja — Aktivitäts‑Tracking hilft bei Früherkennung, GPS beruhigt Besitzer, personalisierte Ernährung verbessert die Gesundheit.
Kann mein Tierarzt diese Daten nutzen?
Immer mehr Tierärzte integrieren Daten aus vernetzten Geräten in ihre Diagnosen.
Ist Pet Tech auch für kleine Budgets zugänglich?
Ja — Einsteigerlösungen existieren, Abomodelle erleichtern die Kostenverteilung.








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