Der Markt für Tiernahrung wächst. In diesem Artikel identifizieren wir die zugrunde liegenden Wachstumsfaktoren, analysieren die Zahlen mehrerer Länder und untersuchen die Zukunft des Marktes.
Der Petfood-Markt befindet sich seit rund zehn Jahren in einer Phase intensiver Transformationen. Diese Veränderungen resultieren aus technologischen Innovationen, verändertem Verhalten der Tierhalter und der Umstrukturierung der Vertriebskanäle während und nach Covid. Als Marktforschungsunternehmen haben wir den Petfood-Markt mehrfach untersucht. Wir haben die neuesten Zahlen und Statistiken zusammengestellt und liefern eine Analyse der Trends, die heute die Tierernährung prägen – von Kaufgewohnheiten über Innovationsstrategien bis hin zum explosionsartigen Wachstum des Online-Handels.
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Petfood: die wichtigsten Statistiken im Überblick
- 157 Milliarden US-Dollar: Geschätzter Umsatz der US-Heimtierbranche im Jahr 2025, ein Plus von über 60 % gegenüber 2019.
- 66 Milliarden US-Dollar: Anteil von Futter und Leckerlis am US-Heimtiermarkt.
- 5,8 Milliarden Euro: Umsatz des französischen Heimtiermarktes im Jahr 2022, ein Wertplus von 7 %.
- 5,4 Milliarden Euro: Umsatz mit Tierfutter und Heimtierbedarf in Frankreich im Jahr 2021, ein Plus von 8,5 % gegenüber dem Vorjahr und 16 % gegenüber 2019.
- 3,3 Milliarden Euro: Umsatz mit Tierfutter in Frankreich im Jahr 2019 über alle Vertriebskanäle hinweg.
- 7 Milliarden Euro: Gesamtumsatz der Heimtierbranche in Deutschland im Jahr 2024 laut Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe und Industrieverband Heimtierbedarf. Angetrieben insbesondere durch das Wachstum des Katzenmarktes
- 2,3 Milliarden Euro: Prognostizierter Umsatz mit Katzenfutter im deutschen stationären Einzelhandel im Jahr 2024, ein Plus von 3,5 % gegenüber dem Vorjahr
- 1,8 Milliarden Euro: Prognostizierter Umsatz mit Hundefutter in Deutschland im Jahr 2024, ein leichter Rückgang im traditionellen Einzelhandel
- 460 Millionen Euro: Geschätzter Umsatz im Online-Tierfutterhandel in Frankreich im Jahr 2019 (ohne Click & Collect)
- 12 %: Marktanteil des spezialisierten Online-Handels mit Tierfutter in Frankreich
- 15 %: Anteil des Online-Handels an Heimtierprodukten in Frankreich Anfang der 2020er-Jahre
- In Frankreich machen Katzen 43 % des Heimtierfutterumsatzes aus, Hunde 38 %
- 9 Millionen Euro: Von der deutschen Marke Vegdog im Jahr 2025 eingenommener Betrag
- 10 Millionen Euro: Von Vegdog im Jahr 2024 generierter Umsatz
- 60 %: Online-Anteil am Umsatz von Vegdog
Petfood: ein widerstandsfähiger Markt mit hohem Gewicht
Die Heimtiernahrungsindustrie gehört zu den widerstandsfähigsten Wirtschaftszweigen der Gegenwart. In Frankreich stieg der Petcare-Umsatz von 4,7 Mrd. € (2017) auf 5,7 Mrd. € (2024) – ein Plus von über 20 % in sieben Jahren. Diese außergewöhnliche Dynamik erklärt sich durch mehrere zusammenlaufende Faktoren.
Zunächst die kontinuierliche Zunahme der Haustierzahl. Frankreich zählt heute 26,3 Millionen Katzen und Hunde und ist damit der größte europäische Markt für Tiernahrung. Diese beiden Arten decken über 80 % des Gesamtumsatzes ab.
Frankreich zählt 26,3 Millionen Katzen und Hunde. Es ist der größte europäische Markt für Tiernahrung.
Zweitens die tiefgreifende Veränderung der Beziehung zwischen Haltern und Tieren. Die Gesundheitskrise 2020 hat diesen Trend massiv beschleunigt: Fast 70 % der Halter fühlten sich ihrem Tier während der Pandemie näher. Diese emotionale Nähe schlägt sich direkt in den Ausgaben nieder – mit deutlicher Aufwärtsbewegung im Premiumsegment.
Deutschland zeigt eine ähnliche Entwicklung mit Ausgaben von über 7 Mrd. € im Jahr 2024. Der Katzenbereich ist der Wachstumsmotor (2,3 Mrd. € Umsatz stationär, +3,5 % ggü. Vorjahr). Hundefutter liegt bei 1,8 Mrd. €, mit leichtem Rückgang in traditionellen Kanälen.
In den USA nimmt die Dimension eine andere Größenordnung an: Der US-Heimtiermarkt soll 2025 157 Mrd. $ erreichen – mehr als 60 % Wachstum seit 2019. Futter & Snacks machen 66 Mrd. $ aus, doch die stärksten Zuwächse kommen aus Dienstleistungen, Gesundheit und Premiumprodukten.
Anthropomorphismus als zentraler Kaufmotor
Das Wachstum des Marktes hängt heute nicht mehr allein von der steigenden Anzahl der Haustiere ab, sondern vor allem von der grundlegenden Veränderung des Halterverhaltens. In Frankreich ist die Katze zur zentralen Größe geworden: Katzen machen 43 % der Verkäufe aus, Hunde nur 38 %. Diese feline Dominanz spiegelt gesellschaftliche Trends wider – vor allem Verstädterung und veränderte Lebensstile. Hinzu kommt: Viele Halter behandeln ihr Tier inzwischen als vollwertiges Familienmitglied, quasi als Erweiterung ihrer eigenen Person. Genau diese Anthropomorphisierung führt dazu, dass Halter heute deutlich mehr in Ernährung und Gesundheit ihres Tieres investieren als früher.
Fütterung wird damit zu einem emotionalen und funktionalen Akt zugleich. Der Verkauf von Snacks & Leckerlis stieg 2020 in Fachkanälen wertmäßig um über 20 %. Katzenmahlzeiten legten um fast 10 % zu, während klassische Formate (Dosen, große Krokettenbeutel) deutlich zurückgingen.
Die Folge ist eine stark wachsende Nachfrage nach personalisierten und qualitativ hochwertigen Produkten. Halter greifen zunehmend zu Premium-, Bio- oder getreidefreien Sorten – oft nach denselben Kriterien, die sie auch für sich selbst anwenden.
2021 erreichte der Petfood-Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2,16 Mrd. € (+3,6 % ggü. Vorjahr). Das Wachstum wird fast ausschließlich durch die Aufwertung der Rezepte getrieben – nicht durch Volumenzuwächse. Das bestätigt die klare Premiumisierungstendenz.
Wer vom Ausmaß der Anthropomorphisierung überzeugt werden möchte, sollte sich die Inszenierung von Haustieren in sozialen Medien ansehen: Viele Tiere sind dort echte Stars.
Besonderheiten der Vertriebskanäle
Auch die Vertriebsstruktur durchläuft eine beschleunigte Umstrukturierung. Der Lebensmitteleinzelhandel bleibt mit 48,6 % Marktanteil (2024) dominant, wächst aber deutlich langsamer als neue Kanäle.
Zoohandlungen und Gartencenter machen inzwischen 22,4 % aus und sind der eigentliche Wachstumsmotor. 2021 legten sie um fast 24 % zu (im Vorjahr sogar +50 % über zwei Jahre), getrieben durch Filialausbau und sehr günstige Handelsdynamik. Selbst 2022 – trotz Inflation – zeigten sie zweistellige Wertwachstumsraten.
Der Grund: Sie bieten eine Kundenerfahrung, die sich deutlich abhebt – mit persönlicher Beratung und breitem Premium-Sortiment. Halter finden dort genau die Kompetenz und Begleitung, die sie für das Wohl ihres Tieres suchen.
Tierärzte und Züchter (nur 4,4 % Marktanteil) behalten dennoch starken Einfluss – insbesondere bei therapeutischen Futtermitteln und hochqualitativen Ernährungsprodukten.
E-Commerce – der neue Wachstumspfeiler
Der Online-Handel stellt die markanteste Revolution im Sektor dar. 2024 machte er bereits 24,6 % der Verkäufe aus und wuchs explosionsartig. Vor zehn Jahren lag der Anteil bei kaum 1 % (ca. 50 Mio. €), 2019 waren es schon fast 460 Mio. € (ohne Drive).
Der Grund liegt in der perfekten Passung zwischen Petfood-Eigenschaften und Online-Vorteilen: wiederkehrende Käufe, hohes Produktgewicht (Lieferung lohnt sich), einfacher Preisvergleich. Drive ergänzt das System – ca. 3 % bei Hundefutter, über 4 % bei Katzenfutter.
Der Markt wird von wenigen großen Playern dominiert. Zooplus hält fast die Hälfte des E-Petfood-Marktes in Frankreich (geschätzt 200 Mio. € Umsatz, 4,6 Mio. monatliche Besuche). Das zeigt die Bedeutung von Skaleneffekten.
E-Commerce erlaubt außerdem sehr starke Preisaktionen. Preisunterschiede beim gleichen Produkt können über 25 % betragen – das entspricht 18–20 € Ersparnis pro Kroketten-Sack je nach Shop. Diese Preistransparenz verändert das Kaufverhalten und zwingt den gesamten Markt zu mehr Wettbewerb.
Zooplus hält 50 % der Online-Petfood-Verkäufe in Frankreich, mit geschätztem Umsatz von 200 Millionen Euro und durchschnittlich 4,6 Millionen monatlichen Besuchen.
Innovation und Premiumisierung als Differenzierungstreiber
Innovation ist der zentrale Hebel, um sich in einem immer härteren Wettbewerb abzuheben. 2021 machten Innovationen zwar nur knapp über 1 % des Petfood-Umsatzes im LEH aus – doch jede erfolgreiche Neuheit generierte im Schnitt über 500.000 € Umsatz (deutlich mehr als im Vorjahr).
Der Schwerpunkt liegt beim Katzensegment – insbesondere bei nassem Futter und Leckerlis. Das entspricht genau den Erwartungen von Katzenhaltern, die immer raffiniertere und geschmacksangepasste Produkte wollen. Auf dem Websummit 2025 trafen wir z. B. ein Schweizer Startup, das ein automatisches Katzenfütterungssystem nach dem Nespresso-Prinzip vermarktet.

Das Schweizer Startup i-kitty präsentierte auf dem Websummit 2025 in Lissabon sein automatisches Katzenfütterungssystem. Die Neuheit: Es handelt sich um nasses Futter (besser für die Katzengesundheit). Strategisch orientiert sich i-kitty am Nespresso-Modell: Die Nachfüllungen sind patentiert und können nur mit dieser Maschine geöffnet werden.
Premiumisierung dominiert die Neuheiten: getreidefrei, Einzelprotein, hoher Fleischanteil oder mit funktionellen Zusätzen. Das spiegelt den Wunsch wider, dem Tier eine Ernährung zu bieten, die der eigenen Qualität entspricht.
Alternative Proteine sind besonders vielversprechend. Ein französisches Insektenprotein-Unternehmen verkaufte in einem Jahr 150 Tonnen Kroketten und Snacks und machte ca. 30 % Umsatz im Export. In Deutschland überschritt Vegdog (pflanzliches Petfood) 10 Mio. € Jahresumsatz und sammelte fast 9 Mio. € Funding für die internationale Expansion.
Innovation geht heute weit über das Produkt hinaus und integriert Technologie. Vernetzte Haustier-Geräte (GPS-Halsbänder, Gesundheits-Tracker) haben bereits über 1,6 Mio. zahlende Abonnenten und generieren ca. 150 Mio. € wiederkehrende Jahresumsätze. Das öffnet den Weg zu personalisierter Ernährung mit integrierter Prävention und Gesundheitsüberwachung.
GPS-Halsbänder und Gesundheits-Tracker für Haustiere haben bereits über 1,6 Millionen zahlende Abonnenten und generieren etwa 150 Millionen Euro wiederkehrende Jahresumsätze.
Zukunftsperspektiven: zwischen Reife und Potenzial
Der Petfood-Markt erreicht langsam Volumenreife, behält aber starkes Wertwachstumspotenzial. Die Haupttreiber sind:
- Preissteigerungen
- Premiumisierung der Rezepte
- Wachstum des E-Commerce
- Entwicklung begleitender Dienstleistungen
Gleichzeitig entstehen Spannungen – vor allem in den USA, wo Inflation und steigende Tierarztkosten manche Haushalte belasten. Der Markt polarisiert sich zunehmend: preissensible Konsumenten auf der einen, Premium-Bereitschaft auf der anderen Seite. Jede Produkteinführung braucht daher eine fundierte Preisstudie.
Diese Polarisierung eröffnet Chancen für differenzierte Angebote. Aufstrebende Marken wie Ultra Premium Direct, Elmut, Tomojo oder Ziggy setzen genau darauf: High-End-Positionierung und alternative Vertriebswege.
Die französische Produktion hat klare Vorteile: starkes Industrie-Netzwerk, reichlich Co-Produkte (Rind, Geflügel, Getreide) und niedrige Einstiegsschwellen für Kooperationen (ca. 15 Tonnen Minimum). Das begünstigt neue „Made in France“-Marken, die den wachsenden Ansprüchen an Transparenz und Qualität gerecht werden.
Petfood entwickelt sich damit zu einem hybriden Markt – Schnittstelle von Ernährung, Gesundheit, Technologie und Dienstleistungen. Getragen von einer immer engeren Bindung zwischen Mensch und Tier, entsteht ein Sektor in voller Transformation – voller Chancen für innovative Player.
Häufig gestellte Fragen
Wie groß ist der aktuelle französische Petfood-Markt?
Der französische Markt für Heimtiernahrung erreichte 2024 5,7 Mrd. € – mit kontinuierlichem Wachstum über Jahre hinweg. Getrieben wird er von 26,3 Mio. Katzen und Hunden, die den Großteil des Werts ausmachen. Frankreich bleibt damit Europas größter Petfood-Markt.
Wie verteilen sich die Vertriebskanäle?
2024 halten Hyper- und Supermärkte 48,6 % Marktanteil. E-Commerce liegt bei 24,6 %, Zoohandlungen/Gartencenter bei 22,4 %. Tierärzte und Züchter machen 4,4 % aus. Die Verteilung verschiebt sich schnell zugunsten von Digital und Fachhandel.
Was sind die wichtigsten Innovationstrends?
Innovation konzentriert sich auf Premiumisierung (getreidefrei, Einzelprotein), alternative Proteine (Insekten, pflanzlich), digitale Personalisierung und vernetzte Gesundheits-Tracker. Das alles antwortet auf die wachsende Anthropomorphisierung der Mensch-Tier-Beziehung.
Warum boomt E-Commerce im Petfood?
E-Commerce passt perfekt: wiederkehrende Käufe, hohes Gewicht (Lieferung lohnt sich), einfacher Preisvergleich. Differenzen von über 25 % ermöglichen spürbare Ersparnisse. Abonnements sichern wiederkehrende Umsätze – sehr attraktiv für neue Player.
Welche Herausforderungen kommen auf den Markt zu?
Die größte Herausforderung ist die wachsende Polarisierung: preissensible vs. premium-bereite Konsumenten. Inflation und steigende Tierarztkosten belasten – vor allem in den USA. Hinzu kommen schnelle Veränderungen der Vertriebskanäle sowie höhere Ansprüche an Transparenz und Nachhaltigkeit.




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